Cannabis beschneiden: Topping, LST & Co. einfach erklärt


Hände schneiden mit einer Schere den Haupttrieb einer jungen Cannabispflanze, daneben eine breit gewachsene, buschige Pflanze
Beim Toppen wird der Haupttrieb gekappt – die Pflanze wächst danach buschiger.[1]
Kurz erklärt

Toppen (englisch: Topping) heißt, den obersten Trieb der Cannabispflanze abzuschneiden. Aus einem Haupttrieb werden so zwei neue Triebe. Die Pflanze wächst buschiger und bildet mehrere gleich hohe Spitzen – das kann den Ertrag erhöhen. Getoppt wird in der Wachstumsphase, wenn die Pflanze etwa vier bis sechs Blattpaare (Nodien) hat.

Was bringt das Trainieren der Pflanze?

Unbehandelt wächst Cannabis wie ein Tannenbaum: eine hohe Mittelspitze, kleine Seitentriebe. Das meiste Licht trifft nur die Spitze. Beim Pflanzentraining formst du die Pflanze so um, dass das Blätterdach breiter und flacher wird. Dann erreicht das Licht viele Triebe gleichmäßig – und aus vielen Spitzen werden dicke Blüten.

Man teilt die Methoden in zwei Gruppen. Beim High Stress Training (HST) wird geschnitten, etwa beim Topping. Beim Low Stress Training (LST) wird nur gebogen, ohne zu verletzen. Wer mehr Ertrag auf gleicher Fläche möchte, kombiniert oft beides. Den Gesamtablauf zeigt unser Anfänger-Guide, passende Erntetipps der Artikel zum Ertrag steigern.

Hinweis: Der private Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen ist in Deutschland seit dem 1. April 2024 für Erwachsene erlaubt (§ 3 KCanG). Dieser Text erklärt Gartentechnik neutral.

Die wichtigsten Trainingsmethoden

Methode Stress Was passiert
Toppen (Topping) hoch (Schnitt) Haupttrieb gekappt → zwei neue Triebe
Fimming mittel (Schnitt) Spitze teilweise gekürzt → bis zu vier Triebe
LST niedrig (Biegen) Triebe runtergebunden → flaches Blätterdach
SCROG niedrig (Netz) Triebe durch ein Netz verteilt

Cannabis toppen: Schritt für Schritt

Beim Topping schneidest du den obersten, neuen Trieb über einem Blattpaar ab. Die Pflanze hat dann keine einzelne Spitze mehr. Stattdessen übernehmen die zwei darunterliegenden Seitentriebe die Führung – aus eins mach zwei. Wiederholst du das, entstehen vier, dann acht Haupttriebe.

Vor und nach dem Topping

vorhernach dem ToppenSchnitt am Knoten → zwei neue, gleich hohe Spitzen

Abbildung 1: Aus einer Mittelspitze werden zwei gleich starke Haupttriebe.

Arbeite mit einer sauberen, scharfen Schere oder Klinge und schneide gerade. So heilt die Wunde schnell. Toppe nur gesunde Pflanzen – eine geschwächte Pflanze verkraftet den Stress schlecht.

Wann sollte man toppen?

Der richtige Zeitpunkt liegt in der vegetativen Wachstumsphase. Die Pflanze sollte etwa vier bis sechs Nodien haben, also vier bis sechs Blattpaare. Dann ist sie kräftig genug. Toppe nie in der Blüte – dort kostet jeder Schnitt Ertrag, weil die Pflanze keine Zeit mehr zum Nachwachsen hat.

Nach dem ersten Topping gibst du der Pflanze ein paar Tage Ruhe. Ein zweites Mal toppst du erst, wenn sich die neuen Triebe gut entwickelt haben. So baust du Schritt für Schritt ein breites, gleichmäßiges Blätterdach auf.

Fimming, LST und SCROG im Überblick

Fimming ist dem Topping ähnlich, aber du schneidest die Spitze nur zu etwa drei Vierteln ab. Statt zwei können so bis zu vier neue Triebe entstehen. Fimming ist etwas unsauberer, aber schonender als ein voller Schnitt.

Low Stress Training (LST) kommt ganz ohne Schnitt aus. Du biegst die Triebe vorsichtig zur Seite und bindest sie fest. So bleibt die Pflanze niedrig und breit, und alle Triebe bekommen gleich viel Licht. SCROG (Screen of Green) ist die Steigerung: Ein Netz über der Pflanze verteilt die Seitenzweige gleichmäßig. Beide Methoden sind ideal, wenn du Höhe sparen willst, etwa in einer Growbox.

Warum Topping funktioniert: die apikale Dominanz

Hinter dem Topping von Cannabispflanzen steckt ein einfacher Trick der Natur. Die Spitze der Pflanze, der oberste Teil der Pflanze, gibt über das Hormon Auxin den Ton an. Diese sogenannte apikale Dominanz sorgt dafür, dass die Mittelspitze schnell nach oben wächst und die unteren Triebe klein hält.

Schneidest du die Spitze ab, fällt diese Dominanz weg. Die Pflanze leitet jetzt mehr Energie in die unteren Triebe – aus ihnen werden zwei neue, gleich starke Haupttriebe. So entsteht statt einer einzelnen großen Cola ein breites, gleichmäßiges Feld aus mehreren Blütenständen. Mehr Licht erreicht mehr Triebe, was den Ertrag erhöht.

Hygiene und Risiken beim Schneiden

Jeder Schnitt ist eine offene Wunde. Arbeite deshalb mit sauberem, möglichst desinfiziertem Werkzeug und einem sauberen Schnitt. Sonst können Bakterien oder ein Pilz eindringen und eine Infektion auslösen. Eine gute Luftzirkulation rund um die Pflanze senkt zusätzlich das Risiko von Schimmel an den Schnittstellen.

Toppe nur eine robuste, gesunde Pflanze – kranke oder frisch umgetopfte Pflanzen sind zu empfindlich. Gib der Pflanze nach dem Schnitt einige Tage Zeit, sich vom Stress des Toppings zu erholen, bevor du den nächsten Eingriff machst oder die Blüte einleitest. Eine verwandte Methode ist das Lollipopping: Dabei entfernst du untere, schwache Triebe und Blätter am unteren Teil der Sprossachse, damit die Pflanze ihre Energie in die oberen Blüten steckt. In Kombination mit Sea of Green (vielen kleinen Pflanzen auf engem Raum) lässt sich so der Ertrag pro Fläche weiter steigern.

Lohnt sich das Topping?

Für die meisten Grower: ja. Ein flaches Blätterdach nutzt das Licht besser, und mehrere gleich hohe Spitzen bringen oft mehr und gleichmäßigere Blüten als eine einzelne Mittelspitze. Wissenschaftlich gut belegt ist, dass die Pflanzenform die Qualität beeinflusst. Laut einer auf PubMed verfügbaren Studie von Danziger und Bernstein erhöht das gezielte Entfernen unterer Triebe und Blätter die Lichtdurchdringung und damit die gleichmäßige Wirkstoffverteilung.[1]

Bei Autoflowering-Sorten ist Vorsicht geboten: Sie wachsen nach festem Zeitplan und haben wenig Zeit, sich von Schnitten zu erholen. Hier ist schonendes LST meist die bessere Wahl. Auch die Pflanzdichte spielt mit hinein – eine weitere auf PubMed verfügbare Untersuchung der gleichen Gruppe zeigt, dass dichter Stand zwar den Ertrag pro Fläche erhöht, aber gezieltes Beschneiden für gleichmäßige Qualität nötig macht.[2]

Häufige Fragen zum Toppen und Training

Wann sollte man Cannabis toppen?

In der vegetativen Wachstumsphase, wenn die Pflanze etwa vier bis sechs Blattpaare (Nodien) hat. In der Blüte sollte man nicht mehr toppen.

Wie geht Topping?

Den obersten, neuen Trieb mit einer sauberen, scharfen Schere über einem Blattpaar abschneiden. Aus dem einen Haupttrieb werden dann zwei.

In welcher Woche sollte man toppen?

Meist rund um die dritte bis fünfte Woche der Wachstumsphase – entscheidend ist aber die Anzahl der Nodien, nicht das Alter allein.

Wann sollte man eine Cannabispflanze zum zweiten Mal toppen?

Erst, wenn sich die neuen Triebe nach dem ersten Schnitt gut erholt und weiterentwickelt haben – meist ein bis zwei Wochen später.

Was ist der Unterschied zwischen Topping und LST?

Beim Topping wird geschnitten (High Stress Training). Beim LST wird nur gebogen und gebunden, ohne die Pflanze zu verletzen.

Sollte man Autoflowering-Pflanzen toppen?

Eher nicht. Sie haben wenig Zeit zum Erholen. Schonendes Low Stress Training ist hier meist die sicherere Wahl.

Referenzen und Quellen

  1. Danziger, N., Bernstein, N. (2021): „Shape Matters: Plant Architecture Affects Chemical Uniformity in Large-Size Medical Cannabis Plants.“ Plants, 10(9), 1834. PubMed · DOI
  2. Danziger, N., Bernstein, N. (2022): „Too Dense or Not Too Dense: Higher Planting Density Reduces Cannabinoid Uniformity but Increases Yield/Area in Drug-Type Medical Cannabis.“ Frontiers in Plant Science, 13, 713481. PubMed · DOI


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