
Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie sind eines der am besten untersuchten Anwendungsgebiete von Cannabis. THC wirkt gegen Übelkeit (antiemetisch); es gibt dafür sogar verschreibbare Wirkstoffe. Eingesetzt wird es vor allem, wenn die üblichen Mittel nicht ausreichen. Die Entscheidung trifft die behandelnde ärztliche Praxis.
Eine der ältesten medizinischen Anwendungen
Schon vor der heutigen Debatte wurde Cannabis gegen Chemo-bedingte Übelkeit erforscht. THC kann das Brechzentrum dämpfen. Es gibt verschreibbare THC-Wirkstoffe, die genau hier eingesetzt werden können. Wie eine Verordnung abläuft, steht im Artikel zu medizinischem Cannabis.
Cannabis ist dabei meist eine Ergänzung, kein Ersatz für moderne Mittel gegen Übelkeit.
Cannabis und Chemo-Übelkeit auf einen Blick
| Punkt | Stand |
|---|---|
| Studienlage | vergleichsweise gut |
| Wirkung | THC kann Übelkeit dämpfen |
| Verschreibbar | ja, auch synthetische THC-Wirkstoffe |
| Einsatz | wenn Standardmittel nicht reichen |
| Zusätzlich | kann den Appetit anregen |
Was belegt ist
Im Vergleich zu vielen anderen Anwendungen ist die Datenlage hier solider.[2]
Studienlage bei Chemo-Übelkeit
Abbildung 1: Eines der am besten untersuchten Anwendungsgebiete.
Was Betroffene wissen sollten
Wichtig: Es geht um die Linderung von Begleitsymptomen der Therapie – nicht um eine Krebsbehandlung. Mehr dazu im Artikel zu Cannabis bei Krebs. Ob und welcher Wirkstoff infrage kommt, hängt vom Einzelfall ab. Auch Nebenwirkungen wie Müdigkeit spielen eine Rolle. Die Entscheidung trifft das Behandlungsteam.
Cannabis gegen Übelkeit: wie es wirkt
Bei akuter Übelkeit und Erbrechensneigung während einer Chemotherapie können die Cannabinoide THC und CBD helfen, wenn klassische Mittel nicht ausreichen. Sie wirken über Rezeptoren im Brechzentrum und können den Reiz dämpfen sowie den Appetit anregen. Wichtig ist die richtige Dosis: zu viel kann selbst Unwohlsein auslösen. Eingesetzt wird Cannabis hier ärztlich verordnet, nicht als Droge in Eigenregie.
Wenn Cannabis selbst Übelkeit macht: das Hyperemesis-Syndrom
Paradox, aber real: Regelmäßiger, starker Cannabiskonsum kann eine eigene Erkrankung auslösen – das Cannabinoid Hyperemesis Syndrome (CHS), auf Deutsch Cannabis-Hyperemesis-Syndrom. Dieses Syndrom zeigt sich durch zyklisch wiederkehrende Anfälle von heftigem Erbrechen und Bauchschmerzen. Typisch ist, dass Betroffene Linderung durch heiße Duschen oder Bäder suchen. In der clinicalen Literatur wird CHS klar dem chronischen Cannabis-abuse zugeordnet.
Wer über Jahre täglich konsumiert und plötzlich solche Beschwerden entwickelt, sollte daran denken: Hier hilft kein weiteres Cannabis – im Gegenteil, der Konsum hält die Beschwerden aufrecht und das Risiko ist bei hoher Dosis erhöht. Die einzige dauerhafte Lösung ist, den Konsum zu beenden; akut helfen Flüssigkeit und ärztliche Behandlung, um die Symptome zu lindern.
Häufige Fragen
Was hilft gegen Übelkeit nach Cannabiskonsum?
Bei akuter Übelkeit: Ruhe, Wasser, frische Luft. Tritt sie nach jahrelangem täglichem Konsum zyklisch auf, kann ein Cannabis-Hyperemesis-Syndrom dahinterstecken – dann hilft nur Konsumstopp und ärztlicher Rat.
Wie äußert sich eine Cannabisvergiftung?
Durch Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen und Angst. Eine tödliche Überdosis ist nicht zu befürchten, die Symptome klingen von selbst ab.
Kann Cannabis auf den Magen schlagen?
Ja. Akut kann es Übelkeit lindern, bei chronischem Konsum aber das gegenteilige Hyperemesis-Syndrom mit Erbrechen und Bauchschmerzen auslösen.
Wie merkt man, dass man Cannabis nicht verträgt?
Anzeichen sind starke Übelkeit, Herzrasen, Angst oder Kreislaufprobleme schon bei kleinen Mengen. Dann ist Zurückhaltung angebracht.
Hilft Cannabis gegen Übelkeit bei Chemo?
Dafür gibt es vergleichsweise gute Belege. THC kann Übelkeit dämpfen.[1]
Gibt es verschreibbare Wirkstoffe?
Ja, auch synthetische THC-Wirkstoffe können verordnet werden.[1]
Wann wird Cannabis eingesetzt?
Vor allem, wenn die üblichen Mittel gegen Übelkeit nicht ausreichen.
Regt Cannabis den Appetit an?
THC kann appetitanregend wirken, was bei Therapien hilfreich sein kann.
Behandelt Cannabis den Krebs?
Nein. Es geht nur um Begleitsymptome wie Übelkeit.
Wer entscheidet darüber?
Das behandelnde ärztliche Team.
Referenzen und Quellen
- May, M. B., Glode, A. E. (2016): „Dronabinol for chemotherapy-induced nausea and vomiting unresponsive to antiemetics.“ Cancer Management and Research, 8, 49–55. PubMed · DOI ↩ a b
- Whiting, P. F., Wolff, R. F., Deshpande, S. et al. (2015): „Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis.“ JAMA, 313(24), 2456–2473. PubMed · DOI ↩
- Mücke, M., Weier, M., Carter, C. et al. (2018): „Systematic review and meta-analysis of cannabinoids in palliative medicine.“ Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle, 9(2), 220–234. PubMed · DOI

Schreib einen Kommentar