Cannabis Wachstumsphasen: Vom Keimling bis zur Ernte


Vier Cannabispflanzen nebeneinander vom Keimling über die vegetative Phase bis zur blühenden, erntereifen Pflanze
Vom Keimling bis zur Ernte durchläuft Cannabis mehrere klar unterscheidbare Wachstumsphasen.[1]
Kurz erklärt

Cannabis durchläuft vier Wachstumsphasen: Keimung, Sämlingsphase, vegetative Phase und Blütephase. Der gesamte Lebenszyklus von der Aussaat bis zur Ernte dauert bei den meisten Sorten etwa drei bis fünf Monate. Den Umschwung zur Blüte löst bei klassischen Sorten der Lichtzyklus aus: 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit. Autoflowering-Sorten blühen dagegen altersabhängig von selbst.

Der Lebenszyklus von Cannabis im Überblick

Eine Cannabispflanze wächst nicht gleichmäßig vor sich hin. Sie durchläuft feste Wachstumsstadien, die sich in Aussehen, Tempo und Bedürfnissen klar unterscheiden. Wer diese Phasen kennt, weiß, wann er gießen, düngen oder umtopfen muss – und wann die Ernte ansteht.

Man unterscheidet vier Hauptphasen: die Keimung, die Sämlingsphase, die vegetative Phase und die Blütephase. Jede Phase baut auf der vorigen auf. Wie lange der Lebenszyklus einer Cannabispflanze insgesamt dauert, hängt vor allem von der Sorte ab. Den grundsätzlichen Aufbau eines Grows erklärt unser Anfänger-Guide.

Ein gutes Verständnis der Wachstumsstadien ist beim Anbau von Cannabis der Schlüssel zu gesunden Pflanzen und gutem Ertrag. Denn jede Wachstumsphase von Cannabis braucht andere Mengen an Licht, Wasser und Nährstoffen. Wer die Wachstumsstadien von Cannabis kennt, erkennt früh, ob die Entwicklung der Pflanze normal verläuft oder ob etwas fehlt.

Rechtlicher Hinweis: Der private Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen ist in Deutschland seit dem 1. April 2024 für Erwachsene erlaubt (§ 3 KCanG). Dieser Artikel beschreibt die Pflanzenentwicklung neutral und ist keine Konsumaufforderung.

Die vier Wachstumsphasen auf einen Blick

Phase Typische Dauer Lichtzyklus (indoor) Was passiert
Keimung 3 bis 10 Tage dunkel bis 18/6 Wurzel und Keimblätter bilden sich
Sämling 2 bis 3 Wochen 18 Stunden Licht erste echte Blätter
Vegetative Phase 3 bis 16 Wochen 18 Stunden Licht schnelles Wachstum von Blättern und Stängeln
Blütephase 6 bis 12 Wochen 12 Stunden Licht Blüten und Harz bilden sich

Die Phasen als Zeitstrahl

Der folgende Zeitstrahl zeigt, wie die Wachstumsphasen der Cannabispflanze aufeinander folgen – von der Keimung bis zur Ernte.

Vom Samen bis zur Ernte

Keimung3–10 TageSämling2–3 WochenVegetativ18 Std. LichtBlüte12 Std. LichtErnte

Abbildung 1: Der Lebenszyklus von Cannabis vom Samen bis zur Ernte.

Phase 1: Die Keimung

Alles beginnt mit dem Samen. Bei der Keimung nimmt der Cannabissamen Wasser auf, die Schale platzt, und eine kleine weiße Wurzel tritt aus. Das dauert je nach Sorte und Bedingungen etwa drei bis zehn Tage. Wichtig sind Wärme (rund 22 bis 25 Grad), Feuchtigkeit und Dunkelheit. Wie du Samen sicher zum Keimen bringst, zeigt unser Guide zum Cannabis-Samen keimen lassen.

Sobald die Wurzel da ist, kommt der Samen in die Erde oder das Substrat. Kurz darauf schiebt sich der Keimling nach oben und öffnet seine ersten beiden runden Blätter, die Keimblätter. Damit ist die Keimung abgeschlossen.

Phase 2: Die Sämlingsphase

In der Sämlingsphase bildet die junge Pflanze ihre ersten echten Cannabisblätter – die typischen, gefingerten Blätter. Sie ist jetzt sehr empfindlich. Zu viel Wasser oder zu starker Dünger schaden schnell. Gieße sparsam und verzichte anfangs fast ganz auf Dünger.

Indoor bekommt der Sämling rund 18 Stunden Licht pro Tag. Die relative Luftfeuchtigkeit darf hoch sein (etwa 60 bis 70 Prozent), weil die Wurzeln noch klein sind. Diese Phase dauert meist zwei bis drei Wochen. Danach hat die Pflanze mehrere Blattpaare und wächst sichtbar kräftiger.

Phase 3: Die vegetative Phase

Jetzt legt die Pflanze richtig los. In der vegetativen Phase (auch vegetatives Wachstum genannt) baut sie vor allem Blätter, Stängel und Wurzeln auf. Sie kann pro Tag mehrere Zentimeter wachsen. Ziel ist eine kräftige, gesunde Struktur, die später viele Blüten tragen kann.

In dieser Phase braucht die Pflanze viel Licht – indoor üblich sind 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit pro Tag. Der Dünger ist jetzt stickstoffbetont, denn Stickstoff treibt das grüne Wachstum an. Auch das Trainieren der Pflanze (zum Beispiel Toppen oder LST) findet in dieser Phase statt.

Wie lange die vegetative Phase dauert, bestimmst du bei klassischen Sorten selbst – von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Je länger sie dauert, desto größer wird die Pflanze. Wer indoor wenig Platz hat, hält sie kurz. Draußen richtet sich die Dauer nach der Jahreszeit.

Phase 4: Die Blütephase

Die Blütephase ist der Höhepunkt. Jetzt bildet die weibliche Pflanze ihre harzreichen Blüten. Bei klassischen, sogenannten photoperiodischen Sorten löst der Lichtzyklus den Umschwung aus: Sobald die Pflanze täglich 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit bekommt, beginnt sie zu blühen. Draußen passiert das im Spätsommer, wenn die Tage kürzer werden.

Interessant: Lange Lichttage gelten zwar als „nicht blühfördernd“, doch das stimmt nur halb. Laut einer auf PubMed verfügbaren Studie von Spitzer-Rimon und Kollegen bildet Cannabis auch unter langem Licht einzelne Blüten – der kurze Lichttag ändert vor allem den Bau der Pflanze hin zu dichten Blütenständen.[1]

In den ersten ein bis zwei Wochen der Blüte wächst die Pflanze oft noch kräftig in die Höhe (der „Blütestreck“). Danach verlagert sich die Energie in die Blüten. Der Dünger wechselt jetzt zu mehr Phosphor und Kalium – mehr dazu im Artikel zum Cannabis düngen. Auch die Luftfeuchtigkeit sollte jetzt sinken, um Schimmel an den dichten Blüten zu vermeiden. Die Blütephase dauert je nach Sorte etwa sechs bis zwölf Wochen.

Erntereife erkennen

Am Ende der Blüte steht die Ernte. Der richtige Zeitpunkt entscheidet über Wirkung und Aroma. Ein verlässliches Zeichen sind die Trichome – die winzigen Harzdrüsen auf den Blüten. Sind sie milchig-trüb statt glasklar, ist die Pflanze meist reif. Die harzbildenden Drüsen sitzen vor allem auf den Blüten der weiblichen Pflanze, wie eine auf PubMed verfügbare Übersichtsarbeit von Andre und Kollegen beschreibt.[2]

Auch die Stempel (die weißen Härchen) verfärben sich zur Reife hin braun-orange und ziehen sich ein. Wie es nach dem Schnitt mit Trocknen und Curen weitergeht, erklärt unser Artikel zur Ernte.

Autoflowering gegen photoperiodische Sorten

Es gibt zwei große Sortentypen, die sich im Lebenszyklus deutlich unterscheiden. Photoperiodische Sorten richten sich nach dem Licht: Du steuerst den Wechsel in die Blüte über den Lichtzyklus (von 18 auf 12 Stunden Licht). Das gibt dir Kontrolle über die Größe, kostet aber mehr Zeit.

Autoflowering-Sorten blühen unabhängig vom Licht – einfach altersabhängig, meist nach zwei bis vier Wochen. Ihr ganzer Lebenszyklus ist kurz, oft nur rund zehn bis zwölf Wochen vom Samen bis zur Ernte. Dafür bleiben sie kleiner. Mehr dazu im Artikel zum Autoflowering-Anbau. Für eine kurze, pflegeleichte Runde sind feminisierte Autoflower-Samen bei vielen Anfängern beliebt.

Indoor und Outdoor: Was ist anders?

Beim Anbau im Freien richtet sich der Lebenszyklus nach den Jahreszeiten. Im Frühjahr keimt die Pflanze, über den Sommer läuft die vegetative Phase, und mit kürzeren Tagen im Spätsommer beginnt die Blüte. Du hast also nur eine Ernte pro Jahr und weniger Kontrolle, sparst aber Strom und Technik.

Indoor steuerst du jede Phase selbst – über Licht, Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Damit sind mehrere Ernten pro Jahr möglich. Methoden wie Screen of Green (SCROG) helfen, das Licht auf engem Raum optimal zu nutzen. Egal ob drinnen oder draußen: Die vier Wachstumsphasen bleiben gleich – nur ihr Timing ändert sich.

Licht, Beleuchtung und Photosynthese

Licht ist der Motor für das Wachstum und die Entwicklung der Pflanze. Über die Blätter betreibt Cannabis Photosynthese: Aus Licht, Wasser und Kohlendioxid entsteht die Energie für gesundes Wachstum. Deshalb ist die Beleuchtung in jeder Phase entscheidend.

In der vegetativen Wachstumsphase setzen viele Züchter auf 18 Stunden Licht, einige sogar auf 20 Stunden Licht pro Tag – das sorgt für ein nahezu kontinuierliches Wachstum. Sobald die Blütephase beginnt, wechselst du bei photoperiodischen Sorten auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit. Sämlinge brauchen dagegen weicheres Licht und vertragen pralle Beleuchtung noch schlecht. Draußen ersetzt die natürliche Vegetationsperiode diese Steuerung: Im Sommer ist es lange hell, im Spätsommer leitet das kürzere Tageslicht die Blütezeit ein.

Häufige Fehler in den Wachstumsphasen

Viele Probleme entstehen, weil eine Phase mit der falschen Pflege behandelt wird. Ein frisch gekeimter Sämling braucht kaum Nährstoffe – wer zu früh stark düngt, schadet ihm. In der vegetativen Phase ist es umgekehrt: Jetzt brauchen die Pflanzen reichlich Nährstoffe und Wasser für das schnelle Wachstum der Pflanze.

Ein weiterer Klassiker: zu früh oder zu spät ernten. Wie lange die Wachstumsphase dauert und wann der beste Zeitpunkt für die Ernte ist, hängt von der Sorte ab. Geduld zahlt sich aus – erfahrene Züchter beobachten die Pflanze in jeder Phase im Lebenszyklus der Cannabispflanze genau, statt nur auf den Kalender zu schauen.

Häufige Fragen zu den Wachstumsphasen

Welche vier Wachstumsphasen gibt es bei Cannabis?

Keimung, Sämlingsphase, vegetative Phase und Blütephase. Danach folgt die Ernte. Jede Phase hat eigene Bedürfnisse bei Licht, Wasser und Nährstoffen.

Wie groß ist eine Cannabispflanze nach 3 Wochen?

Meist etwa 10 bis 20 Zentimeter. Die Pflanze ist dann am Übergang von der Sämlings- zur vegetativen Phase. Die genaue Größe hängt von Sorte und Bedingungen ab.

Bis wann ist man in der Wachstumsphase?

Bei klassischen Sorten so lange, wie du 18 Stunden Licht gibst. Stellst du auf 12 Stunden um, beginnt die Blüte. Autoflower wechseln von selbst.

Wie viel cm wächst Cannabis pro Tag?

In der vegetativen Phase oft 1 bis 5 Zentimeter pro Tag, in der frühen Blüte teils mehr. Das Tempo schwankt je nach Sorte, Licht und Nährstoffen.

Wie lange dauert der gesamte Lebenszyklus?

Bei photoperiodischen Sorten meist drei bis fünf Monate. Autoflowering-Sorten sind mit rund zehn bis zwölf Wochen deutlich schneller.

Wann beginnt die Blütephase?

Bei klassischen Sorten, sobald die Pflanze täglich nur noch 12 Stunden Licht bekommt. Draußen passiert das natürlich im Spätsommer.

Referenzen und Quellen

  1. Spitzer-Rimon, B., Duchin, S., Bernstein, N., Kamenetsky, R. (2019): „Architecture and Florogenesis in Female Cannabis sativa Plants.“ Frontiers in Plant Science, 10, 350. PubMed · DOI
  2. Andre, C. M., Hausman, J.-F., Guerriero, G. (2016): „Cannabis sativa: The Plant of the Thousand and One Molecules.“ Frontiers in Plant Science, 7, 19. PubMed · DOI


Redaktioneller Informationsbeitrag für Erwachsene (18+). Keine Konsumaufforderung, keine medizinische oder rechtliche Beratung. Stand bei Veröffentlichung; Gesetze und Studienlage können sich ändern.