Das Endocannabinoid-System einfach erklärt


Abstrakte Körpersilhouette mit leuchtenden Punkten entlang des Nervensystems als Symbol für das Endocannabinoid-System
Das Endocannabinoid-System zieht sich durch den ganzen Körper.
Kurz erklärt

Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein körpereigenes Steuerungssystem. Es hilft, viele Vorgänge im Gleichgewicht zu halten – etwa Stimmung, Schlaf, Appetit und Schmerz. Es besteht aus körpereigenen Botenstoffen und zwei wichtigen Andockstellen: CB1 (vor allem im Gehirn und in den Nerven) und CB2 (vor allem im Immunsystem). Die Wirkstoffe der Hanfpflanze wirken genau über dieses System.[2]

Ein System, das fast jeder hat – und kaum kennt

Kaum jemand hat im Biologieunterricht davon gehört, dabei hat es fast jedes Wirbeltier: das Endocannabinoid-System. Der Name klingt kompliziert, die Idee dahinter ist aber einfach. „Endo“ heißt „innen“. Es ist also ein körpereigenes System, das mit cannabis-ähnlichen Botenstoffen arbeitet.

Entdeckt wurde es erst in den 1990er-Jahren – ausgerechnet bei der Erforschung von Cannabis. Daher der Name. Das ECS erklärt, warum die Hanfpflanze überhaupt im Körper wirkt. Mehr zu den einzelnen Wirkstoffen liest du im Artikel zu den Cannabinoiden.

Das ECS auf einen Blick

Punkt Details
Was ist es? körpereigenes Steuerungssystem
Aufgabe Gleichgewicht (Homöostase) halten
Botenstoffe körpereigene Endocannabinoide (z. B. Anandamid)
Rezeptor CB1 vor allem Gehirn und Nervensystem
Rezeptor CB2 vor allem Immunsystem
Beeinflusst u. a. Stimmung, Schlaf, Appetit, Schmerz
Entdeckt in den 1990er-Jahren

CB1 und CB2: die zwei wichtigsten Andockstellen

Das ECS hat überall im Körper kleine „Andockstellen“, die Rezeptoren. Die zwei wichtigsten heißen CB1 und CB2.[1] Die Infografik zeigt, wo sie sitzen.

Infografik des Endocannabinoid-Systems mit CB1-Rezeptoren in Gehirn und Nerven und CB2-Rezeptoren im Immunsystem
Abbildung 1: CB1 sitzt vor allem im Gehirn und in den Nerven, CB2 vor allem im Immunsystem.

Man kann sich die Rezeptoren wie Schlösser vorstellen, in die nur bestimmte Schlüssel passen. Der Körper stellt diese Schlüssel selbst her – die Endocannabinoide. THC aus der Hanfpflanze passt zufällig auch in das CB1-Schloss. Genau deshalb wirkt THC berauschend.

Wofür ist das ECS zuständig?

Die Hauptaufgabe des ECS ist es, Balance zu halten. Fachleute nennen das Homöostase. Es wirkt wie ein Thermostat, der ständig nachjustiert. Die Grafik zeigt einige Bereiche.

Bereiche, die das ECS mitsteuert

StimmungSchlafAppetitSchmerz… und das Immunsystem

Abbildung 2: Das ECS greift in viele alltägliche Vorgänge ein.

Wie THC und CBD eingreifen

Hier liegt der Unterschied zwischen den beiden bekanntesten Wirkstoffen. THC passt direkt in den CB1-Rezeptor und aktiviert ihn stark – daher der Rausch.[1] CBD dockt nicht so direkt an. Es wirkt eher indirekt und verändert, wie das System arbeitet. Deshalb macht CBD nicht „high“. Mehr dazu im Artikel zum Unterschied von THC und CBD.

Anandamid und 2-AG: die körpereigenen Schlüssel

Das endogene Cannabinoid-System stellt seine „Schlüssel“ selbst her. Die zwei wichtigsten körpereigenen Botenstoffe sind Anandamid und 2-AG. Sie werden bei Bedarf gebildet, im synaptischen Spalt zwischen den Nervenzellen freigesetzt und passen an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. So reguliert der menschliche Körper fein, wie stark Signale zwischen Nervenzellen weitergegeben werden.

Entschlüsselt hat dieses System vor allem der israelischen Forscher Raphael Mechoulam (oft als „Vater der Cannabisforschung“ bezeichnet), der schon THC isoliert hatte und später Anandamid beschrieb. Wie wichtig ein ausbalanciertes System ist, zeigte das Medikament Rimonabant: Es blockierte den CB1-Rezeptor zur Gewichtsabnahme, wurde aber wegen psychischer Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen.

Die beiden Rezeptoren sind unterschiedlich verteilt: CB1 sitzt vor allem im Gehirn und Nervensystem, CB2 dagegen im Immunsystem und in Organen wie den Nieren. Über dieses Netz wirken pflanzliche Cannabinoide wie THC und Cannabidiol (CBD) auf den ganzen menschlichen Körper – mal verstärkend, mal dämpfend.

Häufige Fragen zum Endocannabinoid-System

Was macht das Endocannabinoid-System?

Es hält viele Körperfunktionen im Gleichgewicht (Homöostase) – etwa Stimmung, Schlaf, Appetit, Schmerz und das Immunsystem.

Wie kann ich Endocannabinoide natürlich fördern?

Diskutiert werden Bewegung (das „Runner’s High“), guter Schlaf, gesunde Ernährung und Stressabbau. Belastbare Beweise sind aber begrenzt.

Bringt CBD das Endocannabinoid-System ins Gleichgewicht?

CBD wirkt indirekt auf das System. Ob es es wirklich „ausbalanciert“, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt.

Was ist das Endocannabinoid-System?

Ein körpereigenes Steuerungssystem, das hilft, viele Vorgänge wie Stimmung, Schlaf und Schmerz im Gleichgewicht zu halten.

Was bedeuten CB1 und CB2?

Das sind die zwei wichtigsten Rezeptoren. CB1 sitzt vor allem im Gehirn und in den Nerven, CB2 vor allem im Immunsystem.

Hat jeder Mensch ein ECS?

Ja. Das ECS ist Teil des Körpers, unabhängig davon, ob jemand Cannabis konsumiert.

Warum wirkt THC über das ECS?

THC passt in den CB1-Rezeptor und aktiviert ihn stark. Daraus entsteht der berauschende Effekt.

Warum macht CBD nicht high?

CBD dockt nicht direkt stark an CB1 an, sondern wirkt eher indirekt. Deshalb fehlt der Rausch.

Sind das ECS und Endorphine dasselbe?

Nein. Beide sind körpereigene Systeme mit Botenstoffen, arbeiten aber unterschiedlich.

Wann wurde das ECS entdeckt?

In den 1990er-Jahren, im Zuge der Cannabis-Forschung.

Referenzen und Quellen

  1. Zou, S., Kumar, U. (2018): „Cannabinoid Receptors and the Endocannabinoid System: Signaling and Function in the Central Nervous System.“ International Journal of Molecular Sciences, 19(3), 833. PubMed · DOI a b
  2. Grotenhermen, F. (2005): „Cannabinoids.“ Current Drug Targets – CNS & Neurological Disorders, 4(5), 507–530. PubMed · DOI
  3. National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (2017): „The Health Effects of Cannabis and Cannabinoids: The Current State of Evidence and Recommendations for Research.“ National Academies Press, Washington, DC. DOI


Redaktioneller Informationsbeitrag für Erwachsene (18+). Keine Konsumaufforderung, keine medizinische oder rechtliche Beratung. Stand bei Veröffentlichung; Gesetze und Studienlage können sich ändern.

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