
Cannabis wird bei chronischen Schmerzen erforscht. Am ehesten gibt es Hinweise bei Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen). Bei anderen chronischen Schmerzen ist die Studienlage gemischt, bei akuten Schmerzen schwach. Cannabis wirkt über das körpereigene Endocannabinoid-System. Es ist kein Mittel der ersten Wahl. Dieser Text informiert und ist keine medizinische Beratung.
Warum Cannabis bei Schmerzen erforscht wird
Schmerz entsteht, wenn Nerven ein Signal an das Gehirn senden. Unser Körper hat ein eigenes System, das dieses Signal mitsteuert: das Endocannabinoid-System. Genau hier setzen die Wirkstoffe der Hanfpflanze an. Deshalb untersucht die Forschung, ob Cannabis bei bestimmten Schmerzen helfen kann.[1]
Wichtig vorweg: Die folgenden Angaben beschreiben untersuchte Zusammenhänge. Sie sind kein Heilversprechen. Ob Cannabis bei dir in Frage kommt, entscheidet die ärztliche Praxis.[6] Wie eine Verordnung abläuft, steht im Artikel zu medizinischem Cannabis.
Wie Cannabis ins Schmerzsystem eingreift
Vereinfacht gesagt kann Cannabis das Schmerzsignal dämpfen. Die Grafik zeigt den Weg.
Vom Reiz zum gedämpften Signal
Abbildung 1: Cannabis-Wirkstoffe können an Cannabinoid-Rezeptoren das Schmerzsignal abschwächen.
Was sagt die Studienlage?
Die Forschung unterscheidet nach Schmerzart. Pauschal „hilft bei Schmerzen“ ist zu einfach.[5] Die Ampel zeigt es deutlicher.

| Schmerzart | Studienlage |
|---|---|
| Nervenschmerzen (neuropathisch) | am ehesten Hinweise auf einen Nutzen[2] |
| Chronische Schmerzen (allgemein) | gemischte Ergebnisse, oft moderater Effekt[3] |
| Akute Schmerzen | wenig belastbare Belege |
In Studien wird Cannabis oft dann besprochen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben. Es ist also meist kein erstes Mittel, sondern eine Option, wenn der übliche Weg nicht reicht.[4]
Wichtig: kein Wundermittel
Cannabis ist bei Schmerzen kein Wundermittel. Die Effekte sind oft moderat,[3] und es gibt mögliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel. Auch der Schlaf kann beeinflusst werden – dazu mehr im Artikel Cannabis und Schlaf. Eine Behandlung gehört immer in ärztliche Hände.
Cannabis in der Schmerztherapie
Cannabis in der Schmerztherapie ist in Deutschland kein Tabu mehr: Seit 2017 dürfen Ärzte cannabisbasierte Arzneimittel auf Rezept verordnen. Eingesetzt werden vor allem THC und CBD (Cannabidiol) sowie weitere Cannabinoide. Eine typische Indikation sind neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen), etwa bei Multipler Sklerose, wenn andere Mittel nicht ausreichend wirken.
Die Wirksamkeit ist je nach Erkrankung unterschiedlich und wissenschaftlich nicht für alle Fälle belegt. Manche Patienten berichten von weniger Schmerzen und besserer Lebensqualität; Cannabinoide werden außerdem gegen Übelkeit und Erbrechen (etwa bei Chemotherapie) eingesetzt. Die richtige Dosierung ist heikel und gehört in ärztliche Hand – gerade bei schwerwiegenden Beschwerden. Dieser Text informiert neutral und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen zu Cannabis bei Schmerzen
Welches Cannabis bei starken Schmerzen?
Das entscheidet der Arzt je nach Erkrankung. Genutzt werden standardisierte, cannabisbasierte Arzneimittel mit definiertem THC- und CBD-Gehalt – kein Selbstversuch.
Wie nimmt man Cannabis gegen Schmerzen?
Je nach Präparat als Tropfen/Öl, Kapsel oder zum Verdampfen. Die Form und Dosierung legt die behandelnde Ärztin fest.
Wie viel Cannabis hilft gegen Schmerzen?
Es gibt keine pauschale Menge. Üblich ist ein langsames Eindosieren unter ärztlicher Begleitung, bis ein guter Effekt bei wenig Nebenwirkungen erreicht ist.
Wer bekommt Cannabis als Schmerzmittel?
Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen, bei denen andere Therapien nicht ausreichend helfen – nach ärztlicher Prüfung und Verordnung.
Hilft Cannabis gegen Schmerzen?
Die Studienlage ist gemischt. Am ehesten gibt es Hinweise bei Nervenschmerzen. Ein allgemeines Heilversprechen lässt sich daraus nicht ableiten.
Bei welchen Schmerzen gibt es die meisten Hinweise?
Bei neuropathischen Schmerzen, also Nervenschmerzen.
Ist Cannabis ein Mittel der ersten Wahl?
Meist nicht. Es wird häufig erst besprochen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben.
Wie wirkt Cannabis auf den Schmerz?
Es greift über das Endocannabinoid-System in die Schmerzverarbeitung ein und kann das Signal dämpfen.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Zum Beispiel Müdigkeit, Schwindel oder Mundtrockenheit. Mehr dazu im Artikel zu Nebenwirkungen und Risiken.
Bekomme ich Cannabis bei Schmerzen verschrieben?
Das entscheidet die ärztliche Praxis im Einzelfall. Eine feste Liste von Diagnosen gibt es nicht.
Ersetzt Cannabis meine bisherigen Schmerzmittel?
Das darf nur ärztlich entschieden werden. Setze bestehende Medikamente nie eigenmächtig ab.
Referenzen und Quellen
- Finn, D. P., Haroutounian, S., Hohmann, A. G. et al. (2021): „Cannabinoids, the endocannabinoid system, and pain: a review of preclinical studies.“ Pain, 162(Suppl 1), S5–S25. PubMed · DOI ↩
- Mücke, M., Phillips, T., Radbruch, L., Petzke, F., Häuser, W. (2018): „Cannabis-based medicines for chronic neuropathic pain in adults.“ Cochrane Database of Systematic Reviews, 3, CD012182. PubMed · DOI ↩
- Whiting, P. F., Wolff, R. F., Deshpande, S. et al. (2015): „Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis.“ JAMA, 313(24), 2456–2473. PubMed · DOI ↩ a b
- Wang, L., Hong, P. J., May, C. et al. (2021): „Medical cannabis or cannabinoids for chronic non-cancer and cancer related pain: a systematic review and meta-analysis of randomised clinical trials.“ BMJ, 374, n1034. PubMed · DOI ↩
- National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (2017): „The Health Effects of Cannabis and Cannabinoids: The Current State of Evidence and Recommendations for Research.“ National Academies Press, Washington, DC. DOI ↩
- Schmidt-Wolf, G., Cremer-Schaeffer, P. (2019): „Zwischenauswertung der Begleiterhebung zur Verschreibung von Cannabisarzneimitteln in Deutschland (BfArM).“ Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 62(7), 845–854. PubMed · DOI ↩

Schreib einen Kommentar