
Cannabis wird bei chronischen Schmerzen erforscht. Am ehesten gibt es Hinweise bei Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen). Bei anderen chronischen Schmerzen ist die Studienlage gemischt, bei akuten Schmerzen schwach. Cannabis wirkt über das körpereigene Endocannabinoid-System. Es ist kein Mittel der ersten Wahl. Dieser Text informiert und ist keine medizinische Beratung.
Warum Cannabis bei Schmerzen erforscht wird
Schmerz entsteht, wenn Nerven ein Signal an das Gehirn senden. Unser Körper hat ein eigenes System, das dieses Signal mitsteuert: das Endocannabinoid-System. Genau hier setzen die Wirkstoffe der Hanfpflanze an. Deshalb untersucht die Forschung, ob Cannabis bei bestimmten Schmerzen helfen kann.
Wichtig vorweg: Die folgenden Angaben beschreiben untersuchte Zusammenhänge. Sie sind kein Heilversprechen. Ob Cannabis bei dir in Frage kommt, entscheidet die ärztliche Praxis. Wie eine Verordnung abläuft, steht im Artikel zu medizinischem Cannabis.
Wie Cannabis ins Schmerzsystem eingreift
Vereinfacht gesagt kann Cannabis das Schmerzsignal dämpfen. Die Grafik zeigt den Weg.
Vom Reiz zum gedämpften Signal
Abbildung 1: Cannabis-Wirkstoffe können an Cannabinoid-Rezeptoren das Schmerzsignal abschwächen.
Was sagt die Studienlage?
Die Forschung unterscheidet nach Schmerzart. Pauschal „hilft bei Schmerzen“ ist zu einfach. Die Ampel zeigt es deutlicher.

| Schmerzart | Studienlage |
|---|---|
| Nervenschmerzen (neuropathisch) | am ehesten Hinweise auf einen Nutzen |
| Chronische Schmerzen (allgemein) | gemischte Ergebnisse, oft moderater Effekt |
| Akute Schmerzen | wenig belastbare Belege |
In Studien wird Cannabis oft dann besprochen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben. Es ist also meist kein erstes Mittel, sondern eine Option, wenn der übliche Weg nicht reicht.
Wichtig: kein Wundermittel
Cannabis ist bei Schmerzen kein Wundermittel. Die Effekte sind oft moderat, und es gibt mögliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel. Auch der Schlaf kann beeinflusst werden – dazu mehr im Artikel Cannabis und Schlaf. Eine Behandlung gehört immer in ärztliche Hände.
Häufige Fragen zu Cannabis bei Schmerzen
Hilft Cannabis gegen Schmerzen?
Die Studienlage ist gemischt. Am ehesten gibt es Hinweise bei Nervenschmerzen. Ein allgemeines Heilversprechen lässt sich daraus nicht ableiten.
Bei welchen Schmerzen gibt es die meisten Hinweise?
Bei neuropathischen Schmerzen, also Nervenschmerzen.
Ist Cannabis ein Mittel der ersten Wahl?
Meist nicht. Es wird häufig erst besprochen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben.
Wie wirkt Cannabis auf den Schmerz?
Es greift über das Endocannabinoid-System in die Schmerzverarbeitung ein und kann das Signal dämpfen.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Zum Beispiel Müdigkeit, Schwindel oder Mundtrockenheit. Mehr dazu im Artikel zu Nebenwirkungen und Risiken.
Bekomme ich Cannabis bei Schmerzen verschrieben?
Das entscheidet die ärztliche Praxis im Einzelfall. Eine feste Liste von Diagnosen gibt es nicht.
Ersetzt Cannabis meine bisherigen Schmerzmittel?
Das darf nur ärztlich entschieden werden. Setze bestehende Medikamente nie eigenmächtig ab.
Referenzen und Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): „Cannabis als Medizin – Abschlussbericht der Begleiterhebung“, Bonn 2022.
- Mücke, M. et al. (2018): „Cannabis-based medicines for chronic neuropathic pain in adults.“ Cochrane Database of Systematic Reviews, 3, CD012182.
- Whiting, P. F. et al. (2015): „Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis.“ JAMA, 313(24), 2456–2473.
- National Academies of Sciences (2017): „The Health Effects of Cannabis and Cannabinoids.“ Washington, DC.